Staffel 1, Folge 1

Doppelmord
in Sarajevo

Am 28. Juni 1914 fällt der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin Sophie Chotek im bosnischen Sarajevo einem Terroranschlag zum Opfer, dem am gleichen Tag bereits ein gescheiterter Attentatsversuch vorausging. Wer aber sind die Täter, die in Verbindung mit dem serbischen Geheimbund „Schwarze Hand“ stehen? Wieso reißt der Mord Millionen von Menschen in den Abgrund des Ersten Weltkriegs und welche Rolle spielt dabei das „Pulverfass“ Balkan?

© Bundesarchiv, Bild 183-2013-0809-500 / Fotograf(in): o. Ang.

Doppelmord in Sarajevo

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© Ferdinand Schmutzer / CC

Erzherzog Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este war  seit 1896 Thronfolger von Österreich-Ungarn aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Beim Attentat von Sarajevo wurden er und seine Frau Sophie, Herzogin von Hohenberg, erschossen, obwohl er eigentlich als „liberaler Politiker“ galt.
Gavrilo Princip weiß schon seit Frühjahr vom Besuch des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo und stellt den Kontakt zur Organisation „Schwarze Hand“ her. Die „Schwarze Hand“ ist ein ultranationalistischer Geheimbund, der mit terroristischen Mitteln für die Gründung eines Großserbiens kämpfte. Dieser Geheimbund versorgt die 7 Terroristen mit Waffen. Gibt es eine Verbindung zum Staat Serbien?

©  o.Ang. / CC

Gavrillo Princip

alle Folgen, Staffel 1

Gesichter des Terrors

Gegen das Vergessen werden geschichtsverändernde Verbrechen spannend erzählt und auf die Gegenwart übertragen. So lang die Ereignisse der Jahre 1914, 1922 und 1944 auch zurückliegen, sie alle wirken sich noch immer auf die Gegenwart aus. Weißt du, was ein von Deutschen verübtes Massaker in einem griechischen Dorf mit uns heute zu tun hat?

Kurz & Knackig

Folge 1: Doppelmord in Sarajevo

Neuer Thronfolger der Donaumonarchie Österreich-Ungarn Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Frau Sophie, Herzogin von Hohenberg, besuchen zum Staatsantritt Bosnien 2:20

Weißt du, was eine morganathische Ehe ist? Thronfolger der Doppelmonarchie heiratet Frau von eher niederem Stand. Eine echte Liebeshochzeit. 3:08

Übernachtung im Kurort Ilidza. Vormittags verfasst der Erzherzog noch ein herzliches Telegramm an seine 12-jährige Tochter 5:03

Kolonnen-Fahrt zum Rathaus in Sarajevo, insgesamt 7 Fahrzeuge. Begleitet wird Franz Ferdinand vom Bürgermeister, Polizisten, seiner eigenen Entourage 6:12

Spontane Fahrzeug-Entscheidung des Paares für Sportcoupé (= Doppel-Phaeton). In diesem Wagen sitzen auch

  • Oskar Potiorek, Landeschef von Serbien
  • Graf Franz von Harrach, Oberstleutnant
  • Franz Ferdinands Adjudant
  • der Chauffeur vom Oberstleutnant

Der Wagen steht heute im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien. 6:44

Perspektive von Sophie und Franz Ferdinand:

  • muslimische Kultur prägt das Stadtbild,
  • junge Südosteuropäische Friedensordnung (1878) gilt nicht für Bosnien
  • Melting Pot Balkan, 40% orthodoxe Serben leben in Sarajevo
  • 525. Jahrestag der sog. „Schlacht auf dem Amselfeld“ und Veitstag (serb-orthodoxer Feiertag) 8:43

Fahrt entlang des Miljaka-Ufers, unter den zahlrichen Schaulustigen befinden sich 7 Terroristen mit Sprengstoffgürtel, Cyanid, Waffen 12:00

Motive der Attentäter, keiner von ihnen möchte lebend gefangen genommen werden 12:24

Die 2 bosnischen Serben Gavrilo Princip und Nedeljko Cabrinovic gelten als Haupttäter. Als Staatsbürger der kaiserlichen und königlichen Monarchie und aufgrund ihrer Minderjährigkeit können sie nicht zum Tode zu verurteilt werden. 13:00

Gavrilo Princip weiß schon seit Frühjahr vom Besuch des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo und stellt den Kontakt zur Organisation „Schwarze Hand“ her. Die „Schwarze Hand“ ist ein ultranationalistischer Geheimbund, der mit terroristischen Mitteln für die Gründung eines Großserbiens kämpfte. Dieser Geheimbund versorgt die 7 Terroristen mit Waffen. Gibt es eine Verbindung zum Staat Serbien? 14:30

Das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand verläuft kurios:

  • 10.20 Uhr: Der erste Attentäter wird passiert, reagiert aber nicht. 
  • 10.25 Uhr: Ein zweiter steht flusseits. Als er den Fahrzeug-Tross sieht, erkundigt er sich bei einem Polizisten, in welchem Auto der Erzherzog denn säße. Er nimmt den Sprengstoffgürtel ab und wirft ihn Richtung Sportcoupé und verfehlt sein Ziel. Die Bombe explodiert unter dem 3. Fahrzeug der Kolonne. Mehrere Offiziere und Passanten werden verletzt.
  • Durch Eingreifen der Polizei wird verhindert, dass Passanten den Attentäter lynchen.
  • Gavrilo Princip bekommt den Vorfall aus der Ferne mit, kann nicht eingreifen und beschließt erst mal einen Kaffee trinken zu gehen… 15:20

Zweifelhafte Professionalität der Attentäter – eher kein „Killerkommando“ 19:47

Der Bürgermeister hält nun um 10.35 Uhr – trotz der Vorfälle – seine vorgefertigte Rede, die Franz Ferdinand erzürnt. Er ruft dazwischen. Hält selbst noch eine Rede. Letztlich wird dann aber das Programm geändert. 20:08

Franz Ferdinand will noch die Verwundeten im Krankenhaus besuchen. Diese Information erhalten die ersten Wagen der Kolonne, die sich nun wieder in Bewegung setzt, aber nicht… 21:22

Der Wagen Franz Ferdinands wendet aufwändig, kommt ca. 10.45 Uhr zufällig vor dem Delikatessengeschäft Moritz Schiller zum stehen. Hier wartet Gavrilo Princip, der sein Glück nicht fassen kann. 22:28

Gavrilo Princip schießt insgesamt 2 Mal. Die erste Kugel durchschlug die Tür des Autos, drang in den Unterleib von Sophie ein, und zerstörte ihre Bauchschlagader. Das zweite Projektil traf Franz Ferdinand am Hals und zerfetzte seine Halsvene. Der Chauffeur rast zum Palast Konak. 22:43

Zeitgeschichtliche Einordnung: Hochkonjunktur für Attentäter – es gab in der unmittelbaren Zeit vor dem Attentat auf Franz Ferdinand und Herzogin Sophie 12 nachweisliche Attentate bzw. Attentatsversuche auf europäische Spitzenpolitiker 24:39

Pressestimmen 1914:

“Der Thronfolger von Österreich wird mit seiner Frau von einem bosnischen Jugendlichen getötet, um die Beschlagnahme seines Landes zu rächen.”  – New York Times

 „Wie unzulänglich müssen die Einrichtungen der Polizei in einer Stadt sein, wo die Bomben nur so herumfliegen wie Federbälle auf einem Spielplatze für Kinder? Attentate mit so vielen handelnden Personen, mit so vielen Mitwissern und Helfern sind nicht plötzlich zu veranstalten und brauchen lange Vorbereitungen.“ – Wiener Presse, „Arbeiterzeitung“ 27:36

Bildung der Doppelmonarchie von Österreich-Ungarn 1867 in Folge der deutschen Einigungskriege 30:12

68 Jahre war Kaiser Franz Joseph I zum Zeitpunkt des Attentats bereits an der Macht 32:36

Das Osmanische Reich – bröckelnd und brodelnd, im Zerfall begriffen. Wichtige geostrategische Lage. Ist der Balkan ein Teil des Kuchens, der nun verteilt wird? 33:11

Verschiedene Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Staaten des Balkans (Griechenland, Serbien, Rumänien, Montenegro u.a.) 36:35

Berliner Kongress, unter der Leitung von Reichskanzler von Bismarck 37:00

Bulgarien wird erst 1908 unabhängig und erklärt sich zum Zarentum 37:43

Entstehung des Balkanbundes, um das türkische Makedonien zu gewinnen und damit begann eine neue Phase von Konflikten und Krisen… 38:12

Die Balkankriege – Der große Verlierer des Zweiten Balkankrieges: Bulgarien. Das Land findet sich später auf Seiten der Mittelmächte wieder, um die Gebietsverluste rückgängig zu machen. 38:36

Die Balkankriege zeigen hohes Maß an ethnisch begründeter Gewalt. Wir reden also nicht nur von “politischen Kriegen”, sondern sehen Nationalitätenkonflikte mit dem Ziel der “ethnischen Entmischung”. Nahezu alle Seiten ermordeten und vertrieben Zivilisten der gegnerischen Seite. 40:15

Erklärung des Begriffs Panslawismus: Beim Panslawismus handelt es sich um ein politisch-kulturelles Konzept, nach dem alle slawischen Ethnien zusammengeführt werden sollen. Russland betrachtete sich hierbei als Motor und Schutzmacht dieser Entwicklung. 41:14

Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist das Ergebnis einer Kettenreaktion 42:16

Auslöser der Julikrise durch Pressekampagne gegen Serbien und die Attentäter: Leitartikel am 30.06.1914 „Blutschuld einer Nation“ in der Reichspost. Dieser Artikel bildete den Auftakt zu einer Serie von Angriffen und Anschuldigungen gegen Serbien. In vielen nationalistischen und intellektuellen Kreisen wurde ein harsches Vorgehen gegen Serbien gefordert, zur Not auch mit militärischen Mitteln. 45:00

Kriegsausbruch als Folge der Julikrise 47:03

Ausstellung Deutschlands des Blankoschecks an Österreich-Ungarn 48:34

Österreichisches Ultimatum an Serbien, wird letztlich aufgrund einer Klausel abgelehnt 49:44

Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 25.07.1914 50:40

Was ist ein Terrorist? War Gavrilo Princip ein Terrorist oder ein Freiheitskämpfer? 51:38

Gerichtsprozess gegen Gavrilo Princip, Anklagepunkte: Mord und Hochverrat 54:18

Aussagen der Attentäter Princip und Cabrinovic 58:50

Fazit, Zusammenhang zur Gegenwart 1:01:25

Unterscheidung zwischen Auslöser und Ursache 1:03:44